Eingebung
Mir fällt heute schon wieder nichts ein, obwohl der Tag so prächtig angefangen hat.
Schon um 7 Uhr morgens war ich mit dem Hund im Wald, einem wunderbaren Wald, einem Bannwald, ein Wald wie ein grüner Tempel mit einem Blätterdach, so weit oben wie die Kuppel in einem gotischen Kirchenschiff. Die Erhabenheit die mich dort erfüllt hat, habe ich allerdings im Wald zurückgelassen. Hätte ich sie mal besser mitgenommen vielleicht, hätte sie mich jetzt beflügelt und in ungeahnte literarische Höhen getragen.
Ich weiß nicht wieviele Monate ich nicht geschrieben habe, nicht schreiben konnte. Ich hatte das Gefühl nichts zu sagen zu haben und das nicht relevant ist was ich zu schreiben und sagen habe, in einer Welt in der sich alle wichtig nehmen und soviel zu sagen haben, was mich allerdings oft auch nicht interessiert. Und dann plötzlich habe ich das Schreiben vermisst, die Freude am Schreiben, der Rausch in den mich das Schreiben auch bringen kann.
Zaghaft nähere ich mich also wieder dem Schreiben für niemanden, dem Schreiben um des Schreiben willens, des Schreibens um meiner selbst willens.
Vor einigen Tagen kamen mir zwei Worte in den Sinn: drei Bäume, und ich dachte, ok, warum nicht eine Geschichte über drei Bäume schreiben.
Meine Gedanken umkreisten die beiden Worte erfolglos, bis ich sie in meiner Rat- und Phantasielosigkeit gegoogelt habe und tatsächlich Treffer gelandet habe.
Das Internet findet zu allem etwas.
Die drei Bäume ist eine bekannte Kurzgeschichte von Anna Seghers, die 1940 entstand und 1946 im Juni-Heft der Zeitschrift Freies Deutschland in Mexiko erschien.
Damit waren die zwei Worte für mich verbrannt und ich stehe wieder mit einem leeren Kopf da.
Liebes Universum so geht das nicht weiter. Schicke mir doch bitte eine Eingebung, ein Eingebung nur für mich, nicht eine die schon andere verwendet haben, oder wurde alles schon einmal durchdacht, beschrieben, besungen und in jedem Lebenszyklus tauchen immer dieselben Fragen und Gedanken auf.
Kann doch nicht sein.
Also schicke mir keine Ideen oder Eingebungen die schon da waren, sondern neue.
Oder kannst du nur das, was schon war, schicken?
Das Neue liegt außerhalb deiner Macht und deines Könnens, aber innerhalb meiner?
Autor: Sofie Weber